Tauben sitzen am offenen Spalt zwischen Solarmodulen und Dachziegeln eines Ziegeldachs

Tauben unter der PV-Anlage – was tun? Ursachen, Risiken und wirksame Abhilfe

Tauben nisten unter Ihren Solarmodulen? Wir erklären, warum der Modulspalt so attraktiv ist, welche Schäden entstehen, was rechtlich gilt – und wie Sie den Zugang dauerhaft und normgerecht verschließen.

AC oder DC Speicher: Unterschiede einfach erklärt Du liest Tauben unter der PV-Anlage – was tun? Ursachen, Risiken und wirksame Abhilfe 6 Minuten

Es fängt mit Gurren am frühen Morgen an. Dann liegen Federn auf der Terrasse, die Dachrinne verstopft, und irgendwann zieht sich ein grauer Schleier über die Modulunterkante. Tauben unter der Photovoltaikanlage sind kein Schönheitsproblem – unbehandelt werden sie zu einem dauerhaften Ertrags- und Instandhaltungsthema. Dieser Beitrag erklärt, warum der Modulspalt für Tauben so attraktiv ist, welche Schäden entstehen, was Sie rechtlich beachten müssen und welche Abwehrmethoden tatsächlich funktionieren.

Warum Tauben ausgerechnet unter Solarmodule ziehen

Der Spalt zwischen Modulunterkante und Dacheindeckung ist je nach Unterkonstruktion rund 8 bis 20 Zentimeter hoch. Für eine Taube sind das nahezu ideale Bedingungen: oben regendicht abgedeckt, seitlich windgeschützt, von unten für Greifvögel nicht einsehbar, und durch die Abwärme der Module im Betrieb sogar leicht temperiert. Dazu kommt, dass eine PV-Anlage – anders als ein Dachvorsprung – kaum je betreten wird. Die Tiere bleiben ungestört.

Stadttauben brüten unter günstigen Bedingungen mehrmals im Jahr. Sind ein oder zwei Paare erst eingezogen, folgen weitere: Tauben orientieren sich an bereits besetzten Brutplätzen. Aus einem Nest wird so binnen ein bis zwei Jahren eine Kolonie. Deshalb gilt bei diesem Thema fast immer: Je früher gehandelt wird, desto einfacher und günstiger.

Welche Schäden entstehen konkret

Verschmutzung der Modulunterseite und der Dachfläche. Taubenkot ist stark säurehaltig. Er greift Metalloberflächen, Dichtungen und Kabelisolierungen an. Auf der Dacheindeckung setzt er sich fest und lässt sich später nur mit erheblichem Aufwand entfernen.

Behinderte Hinterlüftung. Solarmodule brauchen den Luftstrom unter der Modulfläche, um Betriebswärme abzuführen – jedes Grad zusätzliche Zelltemperatur kostet Leistung. Nistmaterial, Federn und Kotansammlungen im Spalt stören genau diesen Luftstrom.

Verstopfte Dachrinnen und Ablaufwege. Nistmaterial wird vom Regen mitgeschwemmt und sammelt sich in Rinnen und Fallrohren. Im schlimmsten Fall drückt aufgestautes Wasser über die Rinne zurück an die Fassade.

Mechanische Schäden an der Verkabelung. Tauben zupfen an allem, was greifbar ist. Lose verlegte DC-Leitungen unter der Modulfläche sind dabei gefährdet.

Hygiene und Gesundheit. Getrockneter Taubenkot kann Krankheitserreger und Parasiten enthalten. Bei Reinigungsarbeiten entsteht Staub, der eingeatmet wird – deshalb gehört Atemschutz zwingend dazu.

Rechtliche Lage: Was Sie dürfen und was nicht

Stadt- und Haustauben unterliegen in Deutschland nicht dem besonderen Artenschutz. Das bedeutet aber ausdrücklich nicht, dass alles erlaubt wäre. Das Bundesnaturschutzgesetz untersagt es, wild lebende Tiere ohne vernünftigen Grund zu töten, zu verletzen oder zu fangen, und es verbietet das Zerstören von Nestern und Bruten während der Brutzeit. Solange also Eier oder Jungvögel im Nest sitzen, dürfen Sie es nicht entfernen.

Praktisch heißt das: Der beste Zeitpunkt für Reinigung und Nachrüstung liegt außerhalb der Brutzeit. Da Tauben ganzjährig brüten können, sollten Sie vor Arbeitsbeginn kontrollieren, ob die Nester tatsächlich verlassen sind. In Zweifelsfällen hilft ein Anruf bei der unteren Naturschutzbehörde Ihrer Kommune. Einige Städte haben zudem eigene Regelungen zum Umgang mit Stadttauben.

Nicht zulässig sind Gift, Leimfallen oder Methoden, die den Tieren Leiden zufügen. Zielführend – und rechtlich unproblematisch – ist ausschließlich der bauliche Ausschluss: Sie machen den Nistplatz unzugänglich, statt die Tiere zu bekämpfen.

Welche Methoden funktionieren – und welche nicht

Attrappen, Reflektorbänder, Ultraschall. Diese Mittel wirken, wenn überhaupt, nur kurzfristig. Tauben sind lernfähig und gewöhnen sich innerhalb weniger Tage an unbewegliche Attrappen oder Geräusche. Für dauerhaften Schutz einer PV-Anlage sind sie ungeeignet.

Taubenspikes. Spikes verhindern das Landen auf Simsen und Kanten. Für den waagerechten Spalt unter Solarmodulen sind sie jedoch die falsche Bauform – sie schließen den Zugang nicht, und die Montage auf der Dacheindeckung ist aufwendig.

Netze und Volierendraht. Wirksam, aber optisch auffällig und in der sauberen Montage anspruchsvoll. Bei falscher Spannung können sich Vögel darin verfangen.

Modulspalt-Verschluss mit Kunststoffstreifen. Das ist bei Photovoltaikanlagen der bewährte Ansatz. Flexible, gelochte Streifen werden mit Edelstahlclips direkt am Modulrahmen befestigt und schließen den Spalt umlaufend. Die Löcher lassen die Hinterlüftung weiter zu, halten aber die Vögel draußen. Entscheidend: Es wird nicht in die Dachhaut gebohrt, die Module bleiben unverändert – Dachdeckergewährleistung und Modulgarantie bleiben erhalten.

Die richtige Höhe bestimmen

Der wichtigste Wert ist der Abstand zwischen Modulunterkante und Dacheindeckung. Messen Sie an mehreren Stellen der Anlage – Ziegel bauen unterschiedlich hoch auf, und an der Traufe kann das Maß anders ausfallen als am First. Als Orientierung:

  • 8,5 cm – flach aufliegende Montagen mit geringem Spaltmaß
  • 12,5 cm – der Regelfall bei Ziegeldächern mit Standard-Dachhaken
  • 20 cm – Aufständerungen sowie Flach- und Blechdächer

Im Zweifel wählen Sie die nächstgrößere Höhe: Der Streifen darf leicht auf der Eindeckung aufliegen, eine zu kurze Ausführung lässt dagegen einen Restspalt offen – und der genügt der Taube.

So gehen Sie bei der Nachrüstung vor

  1. Bestandsaufnahme. Alle vier Seiten des Modulfelds ausmessen, Spalthöhe an mehreren Punkten prüfen, Umfang für den Materialbedarf notieren.
  2. Prüfen, ob gebrütet wird. Erst arbeiten, wenn keine Brut mehr im Nest sitzt.
  3. Gründlich reinigen. Nistmaterial und Kot vollständig entfernen, mit Atemschutz und Handschuhen. Reste locken Nachzügler an.
  4. Umlaufend montieren. Alle vier Seiten schließen. Eine offene Seite macht die gesamte Maßnahme wirkungslos – das ist der mit Abstand häufigste Fehler.
  5. Sonderfall Box-Design prüfen. Bei Modulen, deren Schmalseite ohne Rahmen ausgeführt ist, werden spezielle Clips benötigt.
  6. Kontrollieren. Nach einigen Wochen prüfen, ob alle Clips sitzen und keine neue Zugangsstelle entstanden ist.

Ein Hinweis zur Sicherheit: Diese Arbeiten finden auf dem Dach statt, oft in Traufnähe. Ohne Absturzsicherung und Erfahrung sollten Sie das nicht selbst übernehmen.

Und der Marder?

Auf Flachdächern und in Gewerbeanlagen kommt neben Vögeln gelegentlich Marderbefall vor. Die Tiere nutzen den Modulspalt als Unterschlupf und beschädigen dabei Kabelisolierungen. Die Gegenmaßnahme ist dieselbe Logik: Zugang baulich verschließen, Kabel in geschlossenen Kanälen führen statt frei unter den Modulen verlegen.

Fazit

Tauben unter der PV-Anlage lösen sich nicht von selbst – im Gegenteil, die Kolonie wächst. Wirksam ist einzig der bauliche Ausschluss des Modulspalts, sauber ausgeführt an allen vier Seiten und außerhalb der Brutzeit montiert. Der Aufwand dafür liegt deutlich unter dem, was wiederkehrende Anlagenreinigungen und Ertragsverluste über die Laufzeit kosten.

In unserer Kategorie Taubenschutz für Photovoltaik finden Sie das passende Material in allen gängigen Höhen. Sie sind unsicher, welche Ausführung zu Ihrer Anlage passt, oder möchten die Nachrüstung nicht selbst durchführen? Sprechen Sie uns an – wir beraten Sie und übernehmen auf Wunsch die Montage.

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